Osmosewasser. Klingt irgendwie künstlich. Technisch. Steril. Ein Begriff, der bislang hauptsächlich Besitzern von Aquarien bekannt war, die ihre Fische mit einem besonders weichen und reinen Wasser bei Gesundheit erhalten möchten. Doch immer mehr Menschen schwören auch bei ihrem Trinkwasser auf den gesundheitlichen Wert von Osmosewasser. Was ist also dran an Osmosewasser als Lebensmittel?

Was ist Osmosewasser?

Die Bezeichnung Osmosewasser ist ein wenig missverständlich. Unter Osmose versteht man nämlich einen physikalischen Prozess, mit dem die Natur nach Ausgleich strebt. Stellen Sie sich zwei Behälter vor, die beide Wasser mit einer unterschiedlich hohen Konzentration an gelösten Salzen enthalten. Die Wasserbehälter sind nur durch eine halbdurchlässige Membran getrennt: Wasser kann durch diesen Filter hindurchfließen, die größeren Salzmoleküle jedoch nicht. Der osmotische Prozess sorgt nun dafür, dass Wasser von der Seite mit der niedrigeren Salzkonzentration auf jene mit der höheren fließt. Und zwar solange, bis beide Behälter den gleichen Gehalt an Salz aufweisen. Dieser Vorgang ist essenziell für alles Leben, weil zum Beispiel die Nährstoffversorgung menschlicher, tierischer und pflanzlicher Zellen davon abhängt.

Mit Osmosewasser ist in Wirklichkeit aber Wasser gemeint, das durch Umkehrosmose entsteht. Die Umkehrosmose ist in gewisser Hinsicht das Gegenteil der Osmose. Anstelle des Ausgleichs wird größtmögliches Ungleichgewicht angestrebt. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Nicht eine gleich hohe Salzkonzentration beiderseits der Membran ist das Ziel, sondern ein maximaler Salzgehalt auf der einen Seite und ein vollkommen salzfreies Wasser auf der anderen. Darum wird Umkehrosmose unter anderem auch zur Entsalzung von Meerwasser herangezogen.

Entwickelt wurde die Umkehrosmose in den 1960er-Jahren – wie viele andere High-Tech-Produkte auch – im Auftrag der NASA. Im Wettrennen um die ersten bemannten Weltraumflüge benötigte die US-Raumfahrtbehörde ein zuverlässiges System, um Trinkwasser zu recyceln. Umkehrosmose erwies sich als ideal. Neben der großtechnischen Meerwasser-Entsalzung wird sie heute vor allem in der Lebensmittelindustrie (Aufkonzentrieren von Fruchtsäften), Medizin (Dialyse), zum Recyceln von Abwasser (z. B. in galvanischen Betrieben), zur preiswerten Trinkwasser-Aufbereitung (Großprojekte in Indien und Brasilien) und in der Flaschenwasser-Industrie (vor allem in Mexiko und den USA durch Pepsi-Cola u.a.) eingesetzt. In den USA kann man Umkehrosmose-Wasser schon lange in Supermärkten kaufen oder sich in großen Ballons (Watercooler) nach Hause oder ins Büro liefern lassen.

Wie Umkehrosmose genau funktioniert, wird sehr anschaulich in dem Buch „Umkehrosmose: Funktionen, Vorteile, Kritik, Modelle – Alles, was sie über die Trinkwasser-Aufbereitung im Haushalt wissen müssen“ von Peter Janz beschrieben. Entscheidend dafür, warum wir uns – vor allem im Zusammenhang mit unserer Gesundheit – damit beschäftigen sollten, ist jedoch, was am Ende entsteht: Osmosewasser als hochgradig reines Trinkwasser.

Warum sollten wir Osmosewasser trinken?

Gesundheit ist wie ein präzise arbeitendes Uhrwerk: viele Zahnräder, Gewichtszüge und Schwungsysteme müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein und harmonisch zusammenarbeiten, damit die Uhr auch in Jahrzehnten noch die korrekte Zeit anzeigt. Ähnliches gilt auch für unseren Körper, wenn wir ihn gesund erhalten wollen. Es gibt allerdings einige Abläufe in unserem Organismus, die besonders essenziell sind und ohne deren reibungsloses Funktionieren fast zwangsläufig Krankheiten entstehen:

  • Die Grundbausteine unseres Körpers, die einzelnen Zellen, müssen ausreichend und regelmäßig mit Nährstoffen versorgt werden.
  • Abfallprodukte des Stoffwechsels und Gifte müssen rasch und zuverlässig ausgeschieden werden.

Osmosewasser ist die Voraussetzung, dass diese Prozesse in bestmöglicher Weise ablaufen können. Genauer gesagt geht es dabei um reines Wasser. Denn je weniger Stoffe im Wasser gelöst sind, desto besser kann es diese überlebenswichtigen Transportfunktionen erfüllen. Das ist wie bei einem LKW, der nur dann Güter aufnehmen und transportieren kann (Nährstoffe zu den Zellen, Gifte aus dem Körper hinaus), wenn sein Laderaum nicht bereits bis an den Rand gefüllt ist.

Der Punkt ist, dass Umkehrosmose das derzeit zuverlässigste Verfahren darstellt, um solch reines Wasser zu produzieren. Mehr als 30.000 verschiedene Stoffe können in unserem Leitungswasser gelöst sein. Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, lediglich 32 davon zu prüfen. Bei Mineral- und Tafelwasser sind es überhaupt nur zehn Inhaltsstoffe, die gemessen und bei denen gewisse Grenzwerte eingehalten werden müssen. Für die meisten gibt es noch nicht einmal Nachweisverfahren. Moderne Umkehrosmose-Anlagen mit ausgereiften Filtersystemen sind heute in der Lage, bis zu 99,9 % all dieser unerwünschten und vielfach schädlichen Stoffe – Schwermetalle, Nitrate, Chlorverbindungen, Pestizide, Medikamentenrückstände, Hormone, radioaktive Substanzen, Bakterien, Keime, Pilzsporen, Parasiten und Kalk – zuverlässig aus dem Leitungswasser zu filtern.

Bedenken Sie in diesem Zusammenhang noch folgendes: Rund 75 % der Erdoberfläche wird von Wasser bedeckt. Allerdings sind nur 0,2 % davon trinkbares Süßwasser. Dieser kleine Anteil vermehrt sich nicht – es ist dasselbe Süßwasser, das schon vor Millionen von Jahren existierte und seither in einem ewigen Kreislauf getrunken, ausgeschieden und durch den natürlichen Wasserkreislauf wieder gereinigt wurde. Heute funktioniert das nicht mehr. Der Mensch hat Luft und Erde mit einer Unmenge an Schadstoffen verseucht: 2,6 Mio. Tonnen Nitrate, 2,5 Mio. Tonnen Zink und 370.000 Tonnen Blei gelangen in die Ozeane, 300 Mrd. Liter vergiftetes Industriewasser verseucht Flüsse und Seen, 80 Mio. Tonnen Kunstdünger dringen ins Grundwasser, dazu mindestens 120 Mio. Tonnen Kosmetika, Pharmaprodukte und Hormone (Anti-Baby-Pille), 80.000 Tonnen verschiedenster Chemikalien, radioaktive Abfälle, … – und all das jedes Jahr!

Weshalb ist Osmosewasser besser als Quellwasser?

Was uns heute als Quellwasser verkauft wird, ist in der Regel „unreifes“ Tiefenwasser. Es wird durch Tiefenbohrungen an die Oberfläche geholt, was einen gewaltigen Nachteil hat: Der natürliche Weg, den Wasser durch verschiedenste Gesteinsschichten nach oben nimmt und durch den es stufenweise gefiltert und gereinigt wird, wird unterbunden. So bleibt es hingegen voller anorganischer Inhaltsstoffe, und sogar das krebserregende Nitrit, das giftige Glyphosat, Bakterien, Keime und Rückstände von Medikamenten lassen sich darin finden. Deshalb hat sogar das Umweltbundesamt mehrfach gefordert, manche Quellen zu schließen. Es ist also keineswegs unbedenklich, Quellwasser zu kaufen.

Und da sich auch im Leitungswasser Unmengen an Schadstoffen befinden, ist Osmosewasser die sichere Alternative. Außerdem ist es wesentlich kostengünstiger als das zumeist teure, abgefüllte Quellwasser. Und nicht zu vergessen, dass du mit Osmosewasser die CO2-Belastung der Umwelt reduzieren hilfst, weil dann kein Flaschenwasser mehr mit LKWs oder Schiffen transportiert werden muss.

Kann Osmosewasser dem Körper Mineralien entziehen?

Manche Stimmen behaupten, dass reines Osmosewasser wertvolle Mineralien aus dem Körper lösen und es so zu Mangelerscheinungen kommen kann. Ein Heilpraktiker hat mir dazu einmal folgendes erklärt:

„Zuerst nutzt unser Körper die Transportkapazitäten des Osmosewassers, um Abbauprodukte und Schlacken, die der Körper loswerden möchte, hinauszubefördern. Davon haben wir bei unserer industriellen Lebensweise in der Regel so viel, dass es gar nicht zum unerwünschten Abbau von Mineralien kommen wird. Nur bei Babys und ganz kleinen Kindern, die noch nicht so belastet sind, könnte die Gefahr bestehen, dass Mineralien entzogen werden. Deshalb sollte man so kleinen Menschen Osmosewasser nur in Kombination mit Gemüse oder Obstsäften geben.“

Ist leicht saures Osmosewasser überhaupt gesund?

Da im Wasser immer etwas Luft gelöst ist, sorgt das Kohlendioxid der Luft dafür, dass sich im Wasser Kohlensäure in nicht spürbaren Mengen bildet. Deshalb ist auch Osmosewasser leicht sauer. Und weil wir in den Medien ständig lesen und hören, dass wir aufgrund unserer Lebensweise oft übersäuert sind *), haben manche Menschen Bedenken, dass Osmosewasser der Übersäuerung weiter Vorschub leisten könnte.

Aufgrund seiner Reinheit hat Osmosewasser aber auch eine ganz schwache Pufferkapazität. Das bedeutet, dass es seinen leicht sauren Zustand nicht lange aufrechterhalten kann. Es passt sich sofort seiner Umgebung an – beim Trinken also an den pH-Wert des Körpers. Insofern ist der pH-Wert des Osmosewassers unerheblich. Außerdem ist es sowieso unklar, ob saures Wasser den Körper übersäuern kann. Unser Organismus ist viel komplexer aufgebaut. Was wir in den Mund nehmen, überträgt sich nicht in gleich Weise auf den Körper. Bestes Beispiel: Wenn wir eine saure Zitrone essen, macht das unseren Körper basisch! Mehr dazu: „Basisches Wasser – brauchen wir das wirklich?“

*) Es gibt sogar eine eigene Industrie, die sich auf Wasser-Ionisierer spezialisiert hat, die aus Leitungswasser mehr oder weniger stark basisches Wasser erzeugen. Mehr Infos dazu: „Basisches Wasser – brauchen wir das wirklich?“

Multitalent Osmosewasser

So wie Meerwasser-Entsalzungsanlagen völlig salzfreies Wasser produzieren, entsteht durch Umkehrosmose absolut reines, weiches Wasser. Dieses Osmosewasser ist für den Körper ein ideales Transportmittel. Es löst Nährstoffe aus der Nahrung und bringt sie zu den Zellen. Anschließend nimmt es Schlacken und Gifte auf und befördert diese über die Nieren und andere Ausscheidungsorgane aus dem Organismus hinaus.

Osmosewasser hat ähnliche Eigenschaften wie reines Gletscherwasser, von dem vermutet wird, dass es Naturvölkern in Hochgebirgsregionen zu lebenslanger Gesundheit verhilft. Mit dem Entgiften und Entschlacken sorgt es auch für eine reine Haut und stärkt die Immunkräfte. Das ist aber noch lange nicht alles…

Neben dem gesundheitlichen Wert bietet Osmosewasser noch eine Reihe weiterer Vorteile für unser alltägliches Leben:

  • Körperpflege: Haut und Haare werden weicher und glatter, man braucht weniger Shampoo oder andere Pflegemittel.
  • Kochen: Der Eigengeschmack von Lebensmitteln wird besser, da er nicht mehr durch im Wasser gelöste Stoffe verfälscht wird. Beim Trinken ist Osmosewasser besonders durststillend und schmeckt angenehm weich.
  • Babys: Die Firma humana® bietet mittels Umkehrosmose gereinigtes „Baby-Wasser“ im Tetrapack an. Denn für ihre Ernährungsexperten steht fest, dass für Kleinkinder gedachtes Trinkwasser möglichst wenig Mineralien enthalten sollte. Aufgrund ihres schnellen Wachstums müssen die Nieren der Babys besonders viel leisten und sollten durch einen hohen Gehalt an anorganischen Salzen nicht zusätzlich belastet werden. Die Versorgung mit Mineralien ist durch die feste Nahrung ohnehin in viel stärkerem Maß gewährleistet als dies durch Wasser je möglich wäre.
  • Reinigung: Mangels Kalk trocknet Osmosewasser fleckenfrei, der Putzmittel-Einsatz reduziert sich (das gilt natürlich auch für die Scheibenwaschanlage in Autos).
  • Haushalt: Kaffeemaschinen, Dampfbügeleisen, Luftbefeuchter und andere wasserführende Geräte haben eine deutlich längere Lebensdauer und müssen nicht mehr entkalkt werden.
  • Pflanzen: wachsen schneller, kräftiger und blühen länger; Schnittblumen bleiben länger frisch.

Und weil ich eingangs Aquarien-Besitzer erwähnt habe, die zumeist schon positive Erfahrungen mit Osmosewasser bei ihren Fischen gesammelt haben: Reines Wasser wird natürlich von allen (Haus-) Tieren bevorzugt. Machen Sie einfach die Probe aufs Exempel und bieten Sie Ihrem Liebling drei Wasserschüsseln an – eines mit Leitungswasser, eines mit kohlensäurefreiem Mineralwasser und das dritte mit Osmosewasser. Ihr Haustier wird sich instinktiv letzterem zuwenden.

Kann man Osmosewasser kaufen?

Ja, aber hauptsächlich in Tierfachgeschäften, die Osmosewasser für Aquarien anbieten oder auch bei Amazon. Für den Bedarf an Trinkwasser und Nutzwasser im Haushalt empfiehlt es sich, den Erwerb einer Umkehrosmose-Anlage in Betracht zu ziehen. Moderne Geräte sind heute schon extrem leistungsfähig, preiswert und kostengünstig im Betrieb. Und Sie werden unabhängig in der Produktion Ihres wichtigsten Lebensmittels…

„Irgendwann in diesem Jahrhundert wird eine Flasche mit reinem Wasser mehr kosten als eine Flasche Wein (Viktor Schauberger)

Was kostet eine Osmoseanlage?

Osmoseanlagen gibt es in allen Preisklassen – von etwa 40 € aufwärts bis zu mehreren Tausend Euro. Im ganz billigen Preissegment kann man natürliche keine Markenqualität und keine robuste Verarbeitung erwarten. Leider ist der Preis allein kein zuverlässiger Maßstab: man kann auch für viel Geld minderwertige Qualität erwerben. Auf der anderen Seite gibt es Möglichkeiten, für weniger als 150 € hochwertige Osmoseanlagen zu bekommen. Diese liefern zwar reinstes Wasser, sind aber in Betrieb und Bedienung wenig komfortabel.

Heimwerker und Bastler können für wenige Hundert Euro billigere Osmoseanlagen zu hochwertigen umbauen und erweitern. Top-Modelle mit höchstem Bedienkomfort mittels Mikrokontroller-Steuerung und einfacher Wartung gibt es ab ca. 1.500 €. Bei allem, was weit darüber hinaus geht – es sind auch Haushaltsanlagen über 3.000 € erhältlich –, erschließt sich mir der Luxuspreis nicht mehr. Vermutlich hängt dieser mehr mit den Vertriebsstrukturen als der Qualität der verbauten Teile zusammen.

Ein entscheidender Aspekt bei der Budgetierung der eigenen Osmoseanlage sind die jährlichen Kosten für den Filterwechsel. Wenn Sie dazu bei der von Ihnen ins Auge gefassten Anlage mehr als 100 € einkalkulieren müssen, sollten Sie unbedingt Vergleiche anstellen. Andernfalls könnte ein günstiges System auf Sicht viel teurer werden als ursprünglich gedacht.

Eine ausgezeichnete Übersicht über die Möglichkeiten der Trinkwasseraufbereitung im eigenen Haushalt bietet das eBook „Umkehrosmose: Funktionen, Vorteile, Kritik, Modelle“ von Wasser-Experte Peter Janz. In anschaulicher Weise und einer klar verständlichen Sprache stellt er verschiedene Methoden gegenüber und beschreibt, welche Umkehrosmose-Anlagen es für zuhause gibt. Auch Kritikpunkte wie das Pro und Kontra fehlender Mineralien im Wasser oder Mythen um den pH-Wert von Osmosewasser behandelt Janz sachlich und seriös. Mit diesem Buch haben Sie alle Informationen an der Hand, mit denen Sie die richtige Entscheidung für Ihr gesundes Trinkwasser treffen können.

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